Presse Musikbeispiele

DRUMBONESONGS



Foto: P. Hartung

 

MIKE SVOBODA (Posaune, Alphorn, Didgeridoo etc.)

&

MICHAEL KIEDAISCH (Percussion, Steeldrum, Akkordeon etc.)

 

 

 

In diesem Programm verarbeiten Mike Svoboda und Michael Kiedaisch ihre unterschiedlichen Erfahrungen aus den Bereichen Jazz und Neue Musik. Dabei entstehen außergewöhnliche Begegnungen. So duelliert sich z.B. ein Drumset mit einer wild gewordenen Jazzposaune, eine Steeldrum meditiert zu den Klängen einer mehrstimmig gespielten gestopften Posaune, ein Gartenschlauch rotiert über klingenden Warmhalteplatten, oder aber ein Alphorn singt seine Klagemelodie im Duett mit einem unter Schüttelfrost leidendem Akkordeon. Mit viel Spiel- und Experimentierfreude werden frei improvisierte Klangbilder geschaffen.

 

 

Presse

Ebersbacher Nachrichten 3.11.04

Das experimentierfreudige Duo setzte das I-Tüpfelchen auf die Ebersbacher Jazztage...Das ist das Mega-Event von JazzMe 2004, Musik zum Anschauen und Erleben...

 

BADISCHE ZEITUNG 7/04

Baden in Musik

Drumbonesongs zum Start der Reihe im Freiburger Faulerbad

Dass ein Hallenbad ein geschlossener Klangraum ist, in dem alle Klänge durch die typische Akustik nochmals verstärkt werden, wurde wie eine Warnung mitgeteilt. Doch beim ersten von vier Sommerkonzerten im Freiburger Faulerbad erforschten "Drumbonesongs" eben diesen Raum auf höchst anregende, mitunter sinnliche Weise. Der seit zwei Jahrzehnten im Schwäbischen lebende amerikanische Posaunist Mike Svoboda, der sich in der Neuen Musik einen Ruf erspielt hat, und der Freiburger Perkussionist Michael Kiedaisch betrieben Klangforschung in frei improvisierte Dialoge, die allenfalls auf thematischen Vorgaben basierten und entdeckten die Tugenden der Instrumente neu. Wenn anfangs das Alphorn, behangen mit schellenden Kuhglocken hereingetragen wird, dazu Akkordeon in fein abgestuften Grundierungen die harmonische Basis bietet, wird der Blick nicht nur auf die angrenzende Wiese frei, um sich die entsprechenden Kühe vorzustellen. Der Zuhörer wird eingestimmt auf eine spannende Stunde offener Musik zwischen konzentrierter StilIe und kreativem Geräusch. Gefordert wird Offenheit gegenüber jeglichen Klängen. Vom originalen Muothataler stolpert das Duo gewitzt zu innigen Improvisation zwischen Jazz, Neuer Musik und ethnischen Tönen.

Kiedaisch erweist sich auf dem Schlagzeug als versierter Klangzauberer, der Farben nach Belieben mischt. In allen Lagen ist auch Svoboda erfinderisch: mal bläst er in eine Muschel und erzeugt mit dem entwendeten Wein einer Zuhörerin gurgelnde Geräusche, dann stößt er auf der Posaune krachende Kaskaden heraus oder schickt mit einem wirbelnden Gartenschlauch Klänge in den Raum. Klänge, die über den Köpfen der verdutzten Zuhörer kreisen, bis sie von Kacheln und Glasfront reflektiert werden. Selbstredend kommen auch mit Wasser gefüllte Gefäße, die einen perkussiven Rahmen abgeben für unterschiedlich gestimmte Geräuscherzeuger aus Holz, zum Einsatz. Dazu sorgt Svoboda für wohlige Sounds auf dem Didgeridoo.

Eine veritable Hommage mit fröhlichen Jazz-Zitaten an Max Roach, einen der letzten Überlebenden der Bebop-Epoche, entlässt ein begeistertes Publikum in diverse Räume.

Reiner Kobe

 

Schwäbische Zeitung 26.4.05

 

Friedrichshafen - Sägeblätter, Heizplatten, Schneckengehäuse, Gartenschlauch: Unerhörte jazzige Klangbilder haben Mike Svoboda und Michael Kiedaisch am Sonntag im Zeppelin Museum erzeugt. Die Zuschauer staunen, lachen und sind oft so ergriffen, daß sie fast das Klatschen vergessen.

Ein Schiff tutet im Hintergrund. Ein Schiff? Moment mal - die Zuschauer sitzen mit Blick auf die Fenster zum Hafen. Das Tuten kommt von hinten. Das kann kein Schiff sein. Aus einer Hintertür nähert sich eine seltsame Prozession: Michael Kiedaisch spielt mit der Linken Akkordeon, mit der rechten Hand hält er den Schalltrichter eines Alphorns. Einige Meter weiter hinten, am Mundstück des langen Rohrs, folgt Mike Svoboda. Vorbei an den Ausstellungsobjekten spielen sich die Musiker ins Blickfeld. Auf der Bühne warten schon Wasserschüsseln, halbierte Kalebassen und Warmhalteplatten auf ihren Einsatz. Ein großer Kochtopf erinnert ans Topfschlagen bei Kindergeburtstagen.

Ist es Jazz?

Vorn angekommen, setzt Kiedaisch das Alphorn ab und greift mit der freien Hand nach den Stöcken fürs Schlagzeug. Hinter den Musikern zieht jetzt tatsächlich eine Fähre durch den Hafen. Spaziergänger bleiben neugierig an den Museumsfenstern stehen. An den Gesichtern der Zuschauer können sie vielleicht ablesen, welch ein mitreißendes musikalisches Ereignis sich auf der Bühne abspielt. Ist es Jazz, ist es Neue Musik? „Wenn es Neue Musik wäre, würde das nächste Stück - Zerklüftete Landschaft mit Zwiespalt 1 und 2 - heißen“, sagt Posaunist Svoboda. Und fügt hinzu: „Ab heute heißt es so.“

Ein faszinierendes Hörerlebnis bietet Svoboda mit seiner „Hommage an die Badesaison“: Solo auf einem Schneckengehäuse. Unglaublich, welche Vielfalt an Tönen er dem Naturinstrument entlockt und wie virtuos er daraus Musik macht. Mittendrin klemmt sich der Bläser eine Wasserflasche unter den Arm, schraubt sie auf- und leert den Inhalt in das spiralige Innere des Schneckenhauses. Gurgeln, Prusten und Schnauben wird bei ihm zur stimmigen Wassermusik. Kiedaisch wählt für sein Solo ein nicht minder interessantes Instrument: Eine namenlose Trommel, stahlgerahmt und mit einer einzelnen Saite bespannt. Der Klang erinnert fern an ein Berimbau, aber der Stahl tönt doch wieder anders.

Immer wieder ziehen die Musiker neue Instrumente hervor: Kiedaisch wechselt vom indonesischen „Anklung“ zur Steeldrum und zu Sägeblättern. Svoboda singt und spricht in sein Didgeridoo, richtet das Rohr mal auf diesen Zuschauer, mal auf jenen. Als ganz großer Meister erweist sich Svoboda mit der Posaune: Wenn er sie in den Händen hält, ist es, als ob er mindestens zehn Instrumente zugleich spielt.

Trommeln im Zwölf-Achtel-Groove

Die Stücke entstehen „im zähen Widerstand gegen das Material“, berichtet der Posaunist. Wenn das Material erst mal klein beigegeben hat, wird so manches Teil froh sein, bei solch faszinierender Musik mitwirken zu dürfen. Etwa der Gartenschlauch, den Svoboda bei der Zugabe bespielt und zugleich über seinem Kopf kreisen lässt - während Kiedaisch den Rücken des Posaunisten im Zwölf-Achtel-Groove betrommelt und beide Musiker im Tandem wieder der Hintertür zustreben.

Elke Oberländer

 

Musikbeispiele

Alle Titel (Ausschnitte) rec. live im Loft Köln 1998